Mecha Anzoátegui: Eine frische Stimme für traditionelle Tangos

Kein einfaches Unterfangen, aber sehr gelungen! Mecha Anzoátegui singt auf dieser CD bekannte, traditionelle Tangos und verleiht mit ihrer vollen Alt-Stimme bereits vielfach interpretierten Stücken eine frische, persönliche Note. Die Sängerin präsentiert mit ihrem vierten Album Cuerpo y Alma zwölf Tangos und Milongastücke, begleitet lediglich von 2 Instrumenten, gespielt von dem Gitarristen César Angeleri und vom Bandoneonisten Pablo Mainetti.

Ihre klangvolle Stimme unterstreicht die Melancholie, die den Melodien etwa von „Fuimos“ und „Nieblas del Riachuelo“ innewohnt. Alle zwölf Stücke sind sehr schön zum Zuhören geeignet, gerade jetzt zur herbstlichen Jahreszeit. Das geschmackvoll gestylte Cover, in rot und braunen Farbtönen gehalten, ist die erste Wahl für meine Augen an diesem Nachmittag im Frühherbst.
Mecha Anzoátegui, Cuerpo y Alma
Ich sehe das Cover und stelle mir eine Stimme in Herbstfarben vor. Ich höre sie die ersten Worte singen und um mich herum verschwimmt alles in schokoladenbraun und rot. Der Tag neigt sich bereits dem Ende zu - noch beleuchtet das Tageslicht alles hinlänglich durch die Wolken oder ist es etwa Nebel? Da schenke ich mir einen gut dekantierten Malbec aus Mendoza ein, knabbere an ein paar manís – Erdnüssen – und sehe durch die Verandafester zu, wie die Laubbäume ihre rötlichen Herbstblätter gegen die wolkenverhangene Kulisse des Starnberger Sees gen Boden herunterschweben lassen. Oder ist es vielleicht doch der viel besungene, auch von Mecha Anzoátegui intonierte, Riachuelo-Fluss in Buenos Aires, der sich da unten im Morgengrauen durch Nebelschwaden schlängelt?

Und wenn Mecha Anzoátegui, wie in „Griseta“, eine sentimentale, kokette Französin besingt, wagt sie sich, nach vielen anderen Sängern, in Carlos Gardels Fußstapfen zu treten. Gardels Interpretation von Griseta ist selbstredend einzigartig, aber wenn eine Frau über eine Frau, und noch dazu in dieser klangvollen Altstimme, singt, dann lässt das noch ganz andere Assoziationen zu. „Griseta“ – französisch „grisette“ - wurden übrigens im Paris des 19. Jahrhundert Näherinnen und Arbeiterinnen genannt, da sie Stoffe mit einem speziellen Grauton trugen. Die Bezeichnung hat sich aber auch für Damen der Bourgeoisie eingebürgert, die sich allzu bereitwillig kokettieren ließen. Dies ist – wenigstens vorläufig - eine der wenigen weiblichen Gesangsinterpretationen von „Griseta“.

Meine weiteren persönlichen Favoriten aus diesem Album sind „Fuimos“, „La pulpera de Santa Lucia“, „Niebla del Riachuelo“ und „Nada“, allesamt Stücke, die schon vielfach interpretiert wurden, aber Mecha Anzoáteguis Stimme gibt diesen bekannten Texten einen warmen, gleichsam herbstlich farbenfrohen Anstrich. Außerdem sind gerade diese vier Tangos besonders tanzbar und könnten sich zu einer melancholischen Tanda gut zusammenfügen. Bisher tritt die Sängerin live hauptsächlich in Buenos Aires auf. Vielleicht gelingt es ihr, sich mit Hilfe dieser CD auch im Ausland bekannt zu machen. Das wünsche ich ihr!

Für einen Höreindruck von der CD "Cuerpo y Alma" bitte diesem Link folgen!

Susanne Mühlhaus www.sutango.com



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Sonntag, 14. August 2022