Der Tango in Europa (Teil 2)

Rafael Canaro

In diesem Beitrag über das dritte und vierte Album der Miniserie „Con Saludos desde Europa“ bekommst du kleine Einblicke in das Zeitgeschehen der ersten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts, welches die Lebenswege und Formationen der Tangomusiker auf diesen Alben stark prägte. Familiäre Verbindungen innerhalb der Tangoszene und musikalische Entwicklungen einzelner Musiker werden erwähnt, sowie persönliche Einschätzungen des Autors zu einzelnen Titeln. Auf dem Foto Rafael Canaro, der kleine Bruder des bekannten Francisco Canaro.

Das dritte Album präsentiert Aufnahmen mit Quentin Verdu, die unvergessene Alina De Silva und Auguste Jean Pesenti.

Mit seiner Interpretation und den frischen Arrangements der Tango Klassiker „Torrente“, „Malena“, „Sur“ (für mich die beste Interpretation überhaupt) und „Cancion desesperada“ liefert Quintin Verdu einprägsame Hörerlebnisse und präsentiert das Können der französischen Sänger eindrucksvoll.

Leider hat sich der Tango in Europa nach dem Krieg schnell verloren und mit Beginn der 50iger Jahre mussten die Musiker mit anderen Musikrichtungen ihren Unterhalt verdienen.

Zu Alina De Silva: ich glaube ganz Argentinien wäre bereit gewesen sie als Argentinierin zu adoptieren. Doch diese wunderbare Tango-Sängerin ist Peruanerin und auch in ihrer Heimat in Lima verstorben. 1925 kam sie zusammen mit ihrem Ehemann Alfonse de Silva und seinem Orchester nach Frankreich. Sie lebten dort etwa 15 Jahre bevor sie in ihre Heimat zurückkehrten.

Die Europäische Presse überschlug sich mit Lob wie „Die beste Stylistin des argentinischen Tangos“ oder auch „Die beliebteste und schönste argentinische Sängerin“ und wie ich meine auch verdient, wenn man dieses Album gehört hat.

Auf diesem Album sind sehr schöne Interpretationen von Tango Hits vom Anfang der 30iger Jahre, die oft in den Cabarets und Nachtclubs gespielt wurden. Leider sind die Sänger hier nicht geklärt und nicht auf den Tonträgern aufgedruckt.

 

Das vierte Album präsentiert die Orchester Bianco-Bachicha, Bachicha, Bianco, Horacio Pettorossi, Rafael Canaro und Brodman-Alfaro.

Juan Bautista Deambroggio (Spitzname Bachicha) gehörte zweifellos zu den Pionieren des Tangos in Argentinien. Seit 1911 spielte er mit Roberto Firpo als Duo „Taka Taka“ in verschiedenen Cafés in Buenos Aires. Als Roberto Firpo 1914 mit seinem Orchester debütierte war Bachicha natürlich sein Bandeonist. Bachicha ist auch auf der ersten Aufnahme von „La Cumparsita“ zu hören.

1923 begleitete Bachicha eine Theatertruppe nach Spanien. Zu den Mitgliedern gehörten unter anderem Emilia Garcia, seine spätere Lebensgefährtin und Mutter seiner Kinder, Mario Melfi und Horacio Pettorossi.

Danach wurden Bachicha, Pettorossi und Melfi von Eduardo Bianco nach Paris eingeladen und das Bianco-Bachicha Orchester wurde gegründet. Während der gesamten Zeit in Spanien unterrichtete Bachicha seine Kinder Pettorossi und Melfi im Bandoneon Spielen. In den 20iger Jahren hatte sie viel Erfolg in Europa und machten Aufnahmen in verschiedenen Ländern.

1924 gründete Eduardo Bianco zusammen mit Bachicha ein gemeinsames Orchester und sie eröffneten das Cabaret Palermo im El Garron. Ihre Aufnahmen sind meist Ausschnitte aus den Cabaret Shows. Den Tango humoristico findet man oft unter seinen Aufnahmen. Ziel war die humoristische Unterhaltung des Publikums. Eduardo Bianco tourte durch ganz Europa und verbreitete den Tango unter anderem in der Schweiz, der Türkei, Griechenland, Polen, Österreich, Bulgarien und im Mittleren Orient.

Unter den Sängern sind besonders Teresita Asprella, César Alberú und Juan Raggi erwähnenswert.

Horacio Pettorossi sang auch gemeinsam im Duett mit Bianco. Er begann mit fünf Jahren Gitarre zu spielen und führte seine Studien nach der Grundschule fort. Seine Reise nach Europa führte ihn als Gitarrist in das Orchester Bianco-Bachicha und später mit einem eigenen Orchester auf eine Europa Tournee unter anderem durch Rumänien, Griechenland und Italien. In Italien nahm er mit Teresita Asprella auch mehrere Tangos in italienischer Sprache auf („Come una sigaretta“). Zurück in Paris begleitete er Carlos Gardel und spielte auch bei den Aufnahmen zu seinen Filmen in Frankreich bis sie gemeinsam 1932 nach Argentinien zurückkehrten.

(Der Beitrag ist eine Bearbeitung eines Textes von Matthias Kroll. Trotz sorgfältiger Recherchen konnten wir den Photographen des für diesen Beitrag verwendeten Photos nicht ermitteln. Wir bitten eventuelle Inhaber der Urheberrechte, mit uns auf direktem Weg z.B. per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! in Kontakt zu treten.)

Zwischenbericht
Der Tango in Europa (Teil 1)
 

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Freitag, 07. August 2020