In Havanna oder in Santiago de Cuba Tanzen gehen

Seit zwei Jahrzehnten beobachte ich die Tanzszene auf Kuba. Das liegt nahe, denn immerhin ist "Salsa tanzen auf Kuba" ein zentraler Aspekt meines Reiseangebotes. Wer wie bei „Danza y Movimiento“, der ersten unabhängigen Tanzschule auf Kuba, mit qualifizierten Lehrern Salsa tanzen lernt, möchte das Gelernte auch möglichst zeitnah in der Praxis testen. Das ist allerdings nicht so leicht, wie man annehmen könnte. Die vielen Musikclubs, in denen oftmals hochkarätige kubanische Bands spielen, sind seit eh und je ein Ort von Anmache. Verständlich, denn der Kontakt mit Touristen ist für viele Kubaner eine wichtige Einnahmequelle. Das macht Tanzen-Gehen auf Kuba in vielen Lokalen aber leider weniger unbeschwert, als oftmals von Reiseveranstaltern beschrieben. Als Individualreisende/r Tanzen zu gehen auf Kuba ist nach meinen Erfahrungen nicht einfach und manchmal sogar richtig anstrengend …

Salsa mit unseren Tänzerinnen und Tänzern in Santiago de Cuba. Foto: Sabine Jacob





Einfacher war es für mich meist beim Tanzen, wenn ich mich begleitet auf die Piste begeben habe. Aber auch hier kann es vorkommen, dass meine Tanzbegleitung eine Menge Freunde einlädt, die in fröhlicher Runde ihre Getränke auf Rechnung des Gastgebers bestellen. Um kein Spielverderber zu sein und nicht kleinlich zu wirken, werden solche Abende manchmal recht teuer, können aber ne Menge Spass machen - wenn einem der Preis egal ist.

In Folge des aktuellen Touristenbooms hat sich die Szene in den vergangenen Monaten noch einmal stark verändert. Die Preise für Getränke gehen steil nach oben. Die meisten Lokale, in denen man auch tanzen kann, sind überfüllt. Wer nicht konsumiert wird an einigen Orten immer wieder dazu aufgefordert und darf ansonsten das Lokal verlassen.

So war es noch vor einem Jahr: Eine amerikanische Reisegruppe aus dem Programm von "Danza y Movimiento" tanzt beim Hotel Inglaterra zu Livemusik. Foto: Alice Kupcik



Wer - egal ob Mann oder Frau - an egal welchen Ort alleine tanzen geht, hat immer häufiger Probleme, überhaupt Tanzpartner zu finden. Denn immer weniger Kubaner können sich Eintritt oder Getränkepreise leisten. Unsere amerikanische Reiseleiterin der legalen Gruppenreisen für amerikanische Staatsbürger erzählte mir vor einigen Tagen von ihren Erlebnissen, abends mit ihrer Gruppe auszugehen: da in einigen Lokalen ausser unseren (bezahlten) Tänzern überhaupt keine Kubaner waren, die gut tanzen konnten, war die Reiseleiterin den ganzen Abend damit beschäftigt, die Tanzbegleiter vor dem Ansturm tanzwilliger Touristen zu schützen, die in Ermangelung von Tanzpartnern schon den ganzen Abend bis zum Eintreffen unserer Gruppe gelangweilt herumgesessen hatten. (Unsere amerikanischen Reisegruppen gehen abends mit den Tanzpartnern aus ihrem Salsakurs tanzen und werden von einer amerikanischen und auch kubanischen Guides begleitet. Ohne amerikanische Reisebegleitung dürfen Amerikaner weiterhin nicht privat nach Kuba reisen.)

Tanzen auf Kuba ist leider schwieriger, als man denken könnte. Ich habe jahrelang dazu gebraucht, mich damit abzufinden, dass Tanzen auf Kuba eben anders ist, als auch ich mir das mal vorgestellt hatte und als es einem meist erzählt wird.

Wie ist es nun möglich, das während des Aufenthaltes in Havanna oder Santiago de Cuba im Salsaunterricht Gelernte möglichst entspannt in der Praxis auszuprobieren? Ich habe mir dazu immer wieder meine Gedanken gemacht und alles mögliche ausprobiert und auch unseren Gästen angeboten. Der aktuelle Stand ist wie folgt:

Salsa tanzen in Santiago de Cuba. Foto: Sabine Jacob
In Santiago funktioniert es seit mehreren Jahren sehr gut, dass die Tanzlehrer an manchen Abenden gemeinsam mit den Gästen tanzen gehen. Das ist im Preis des Tanzkurses enthalten, wobei natürlich die Getränke der Lehrer von den Tanzschülern gezahlt werden. Alle Rückmeldungen von Gästen bezüglich dieser Tanzabende waren bisher positiv.

Anders in Havanna. Einmal abgesehen davon, dass viele unserer TanzpartnerInnen in unseren Salsakursen in Havanna ProfitänzerInnen sind, die abends auf der Bühne stehen und von daher als Tanzbegleitung ausfallen, waren die Rückmeldungen mancher Gäste Anlass, hier klare Regeln für begleitetes Tanzen aufzustellen. Ich habe deshalb den kubanischen Taxi-Dancer erfunden. Du „mietest“ sozusagen eine Person, die Dich an einer von Dir bei Buchung Deiner Reise angegebenen Anzahl von Abenden begleiten wird. Deine Begleiterin oder Dein Begleiter führt Dich in die Szene ein und Du praktizierst an diesen Abenden mit ihm/ihr oder auch mit anderen auf der Veranstaltung. Auch das Tanzen mit anderen geht in diesem Kontext viel einfacher: du bist schon „begleitet“ und bist damit nicht weiter irgendeiner Form der Anmache ausgesetzt. Dieses Prinzip der „Taxi-Dancer“ gibt es für Tango in Argentinien schon lange. Auch auf Kuba werden beim begleiteten Tanzen durch klare Absprachen klare Verhältnisse geschaffen. Du kannst auf diese Weise in etwa so tanzen gehen, wie Du es Dir vielleicht von Tanzen auf Kuba vorgestellt hast.

(Info: Kubanische Tanzbegleiter vermitteln wir nur in Verbindung mit der Buchung unserer Reisepakete. Der Preis ist noch erheblich günstiger als in Buenos Aires und liegt bei einer Buchung von z.b. drei Abenden mit jeweils sechs Stunden Tanzbegleitung bei etwa 190.- Euro. Näheres auf Anfrage in Verbindung mit Deiner Buchung.)

P.S. Ich schreibe ungern „negative“ Beiträge, aber was ich schreibe spiegelt wider, was ich erlebt habe. Und auf Kuba ist nicht alles so, wie es nach aussen dargestellt wird. Was sind Deine Erfahrungen, als Individualreisende/r auf Kuba tanzen zu gehen? Schreibe gerne Deinen Kommentar …

Matthias



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Dienstag, 31. März 2020